Brot – ein Ausblick

Vor wenigen Monaten stand ich in der sommerlich-warmen Idylle und es grauste mich vor der Kralle des Winters, die unweigerlich kommen und mir bei klirrender Kälte meine große Tochter entreißen würde.  Seit dem Sommer beschäftigt mich der Gedanke eines Ofens für die KHB und die damit verbundene Weigerung, die Halle dem Kältemonster zu übergeben.

Nun gut, ich habe den Wettlauf mit dem Monster erst einmal gewonnen. Die Wiederbelebung des Schlots ist dank Olafs und Marinas Hilfe in den Herbstferien gelungen. Das Anschließen der Ofenrohre und das Abtrennen eines Wärmeraumes waren – gemessen an den Bauarbeiten auf dem Dach – ein Spaziergang. Den herbeigesehnten Moment des Entzündens und Testens erlebten wir andächtig gemeinsam am Kamin mit Kerzenschein und Schokolade. Wir bringen eine Temperatur zustande, die uns mit gutem Willen und dickem Pullover den Platz halten lässt.
Der für mich größte Moment ereignete sich in der Woche darauf: befeuert durch unsere Musik sollte im weiteren Verlauf des Abends der Ofen das Brot backen, das wir gemeinsam zur Suppe reichen würden. Ein Sommergast der KHB, hatte mir das Geheimnis verraten, das mir das zeitgemäße Backen des täglichen Brotes in meinem dicht gepackten Alltag ermöglichen sollte: Teig ohne Kneten.1 Mit Beginn der Heizperiode hatte ich in der häuslichen Küchenhexe erste gute und leckere Erfahrungen damit gesammelt. Seitdem sauge ich Berichte und Erörterungen zur reichen mythologischen Relevanz der großen Alltagssubstanz in mich auf, um erwartungsvoll zur Halle zu sehnen und dort endlich die Früchte unserer Arbeit gemeinsam mit Gästen essen zu können. Es kam, wie es kommen musste. An dem Tag ging der Teig in die Hose, meine Rettungsbemühungen im Abseits zogen sich hin und als ich zurück zur Halle kam, im Begriff, die für mich heilige Handlung des Backens zu vollziehen, stand der Backofen offen, um seine Wärme an den Raum abzugeben. Das Ritual war jäh unterbrochen, ich wütend und der Ofen trotzdem viel zu heiß. Das Brot verbrannte von unten ehe es von oben richtig durch war.  Wir ließen es uns trotzdem schmecken.
Ich brenne auf die nächsten Erfahrungen mit dem launischen Gesellen, dessen raue Hitze ich eines Tages in eine fruchtbare Brutstätte köstlicher Laiber verwandeln werde. Leider noch nicht diesen Samstag, denn die familiären Verpflichtungen der Vorweihnachtszeit fordern ihren Tribut. Aber am 19.12.2015 wieder im Glanz der Musik ab 17 Uhr und zur Suppe dann ab 19 Uhr.
Kommt zahlreich, im Gepäck gern ein Scheit Holz für unser Backfeuer! Samstag, 19.12.2015, 17/19 Uhr

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  1. Es fällt mir inzwischen schwer daran zu glauben, dass diese Errungenschaft eine Erkenntnis moderner Zeiten sein soll. Einen Spott auf all die idiotischen Experten, die behaupten, Teig müsse geknetet werden bis einem die Arme abfallen. Wer mir Hinweise auf ältere Traditionen der Verwendung ungekneteten Teigs gibt, lebe hoch!