Fahren

Am Tag zuvor hat die Tochter mir angekündigt, dass sie mit der Freundin am Nachmittag mit einem Sulky fahren werde. Wunderbar: fahren! Das habe ich immer lernen wollen. Was für ein Bild: mit dem Pony vorweg sich gemächlich durch die Landschaft treiben lassen. Neugierig gehe ich nachsehen, ob sie trotz Nieselregens aufgebrochen sind. Das zurückgebliebene zweite Pony scharrt ungeduldig mit den Hufen. Ich mache mich auf zum Waldstück, um nachzuschauen, ob ich sie in ihrem üblichen Ausreitgelände finden kann. Mit etwas Phantasie identifiziere ich Huf- und Wagenspuren im Matsch. Entgegenkommende Spaziergänger bestätigen, Wiehern gehört zu haben. Neidisch legt sich mein Blick auf die riesigen Pilzgebilde in ihren Körben. Ich werde mit meinen städtischen Schuhen den Weg nicht verlassen. Zudem liegt auf mir eine Erbangst vor dem Verzehr selbst gefundener Pilze: mein Großvater hatte als junger Sanitäter erlebt, wie eine ganze Familie ihnen erlegen war. Furchtbar.
An der Gabelung ist immer noch nichts zu sehen von dem Gespann. Ich beschließe, meinen Spaziergang zu beenden und kehre um. Auf Höhe der industriellen Milchviehfarm habe ich in Gedanken eine Grafik angefertigt, in der sämtliche städtischen Perspektiven des Mythos Natur Berücksichtigung finden. Der Mensch: ein kleines Licht. Im Vorgarten des bäuerlichen Wohnhauses die fruchtbare Bewohnerin mit ihren vier Kindern im Alter zwischen eins und fünf. Der Bauer bekämpft, eine Giftspritze geschultert, unerwünschten Bewuchs unter der üppigen Hecke. Ich grüße freundlich. In der Ferne kündigt sich mit schepperndem Röhren der Crossfahrer an. Als unsere Wege sich kreuzen, bleibt sein Vorderrad unten, der Motor schnarrt verhalten. Das Visier verhüllt seinen Blick. Ich grüße nicht, lasse stattdessen Figuren aus Computerspielen und Amokläufer an mir vorbei ziehen. Hinter mir legt er zu. Ich blicke mich um. Er lüpft die Knie. Die Maschine drängelt! Mit Erreichen des Waldes gibt er der Männlichkeit Raum, lässt röhrend Geschwindigkeit entstehen, verschwindet hüpfend hinter den Bäumen. Mein Herz zieht sich zusammen. Pferde sind Fluchttiere. Durchgehende Fahrpferde rasen ihre Fahrer ins Kranken- und sich selbst ins Schlachthaus. Röhren aus dem Dickicht. Meine Tochter! Aber: wieso überhaupt meine ich, den Weg beanspruchen zu können? Zu wissen, was das richtige für diese „Natur“ sei? Fernes Röhren. Warum machen die das? Ich reiße mich zusammen. Wer fährt, liebt die Gefahr.

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K

Was machen die da? Was heißt das K? Klar werden wir das immer wieder gefragt. Kontakt? Kacke? Karma? Konsum? Konzept? Klub? Kirche? Koworking? Kaminzimmer? Kuratieren!? Oder eines der drei K? Keine Ahnung. Das K steht für alles Mögliche. Ein universal einsetzbarer Buchstabe. Darum gerade steht er ja allein. Sonst hätten wir die anderen Buchstaben auch aufgehängt. Klaro! Aber wo die Botschaft offen und diffus ist, da gibt es keine anderen Buchstaben. Oder es gibt sie nur in den Köpfen. Der Ort inspiriert jeden auf seine Weise, jeder bestimmt sein eigenes K. Alles klar?
Für weitere Erkundigungen empfehlen wir Wikipedia

Nachtrag Frühjahr 2016: Der Sturm hat unser K gestohlen. Wir besorgen ein neues, damit es wieder Licht werde…