Madonna!

Kunsthalle Below. A kommt vorbei. Er habe ein Bild für mich. Es sei zu groß, er könne es nicht allein tragen. Tausend andere Dinge reißen an meiner Aufmerksamkeit. Ich erledige einiges und entscheide in letztmöglicher Minute hinzufahren. Er zeigt mir seine Werkstatt, in der mit beeindruckender Akribie die Ordnung mich in ihren Bann zieht. Das Wohnhaus ist eine schöne, lehmige Baustelle. Die Wohnung im Nebengebäude ist wunderbar, an der Wand ein Generationen umfassendes Familienbild. Wir fahren zum Grundstück von B. Hinter einer  handvoll grauer Nebengebäude öffnet er ein Vorhängeschloss, hinter allerlei Krempel zieht er ein riesiges Bild hervor. Maria schielt entrückt gen Himmel, sie steht, nein eher hängt sie, in Wolken. Zweiunddreißig Engel umringen sie. An ihren Füßen eine Art bronzener Halbmond, den ich nicht verstehe. „Immaculée Conception“. Volltreffer! Maria! Das Bild ist großartig. Und es ist schwer und riesig und geborgen in einem breiten goldenen, leicht beschädigten Rahmen. Auf meine Andeutung von Ähnlichkeiten zwischen Maria und mir zuckt A mit den Achseln. Wir laden ein. Im Vorbeifahren passieren wir weitere Schätze. Meine Gedanken überschlagen sich vor Begeisterung über die goldenen Einblicke in diese Kosmen geheimer Sehnsüchte. Und ich darf dabei sein, finde Berücksichtigung bei den Leuten im Ort, sie denken an mich, schätzen mich ein und schenken mir Madonnen, die mich mitten ins Herz treffen. Zurück in der Halle soll das Bild den besten aller Orte erhalten. Es ist ein Fest, dass ein fast Fremder mich sehen kann und der Zufall ihm das Zeichen in die Hand legt, mit dem er es mir zu zeigen vermag. Maria.

In Gedenken an N.

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