Verschwinden

Das Verschwinden ist ein Phänomen, das mich schon eine Weile beschäftigt. Ich bin ein konservativer Mensch, der sich schwer damit tut, loszulassen und anstelle dessen anzunehmen, was Technik und Bilder versprechen. Es gibt Gründe, warum ich mich habe durchringen können, trotz Widerwillens Textbeiträge zu veröffentlichen, die noch keine drei Monate abgehangen sind. An dieser Stelle sind die Gründe ebenso wurscht wie meine höchstpersönlichen Vorbehalte zu bloggen. Was bleibt, ist das schöne Verschwinden.
Die KHB wurde 1962 als Melkstatt durch die LPG errichtet und als solcher genutzt. Als ich sie vor einigen Jahren entdeckte, war sie Schafstall und schließlich war sie ohne Funktion. Dann haben ein paar Verrückte sich ihrer angenommen und ihr eine Identität als Kunsthalle übergestülpt. Natürlich ist ihre Vergangenheit weiterhin relevant. Und sichtbar. Und genau davon lebt sie. Und sie lebt davon, lebendiger und frischer als all die glatten Bilder in all den glatten Magazinen, die uns davon erzählen sollen, wie das Leben sei. Digitale Bilder und Blogeinträge verschwinden unbemerkt. Analoges vergeht mit großer poetischer Präsenz. Es geht hier nicht um Shabby Schick als städtischer Abgesandter der Landlust.1 Die KHB ist eine alte Dame, die Respekt verdient. Und sie sitzt nicht mit ihrem Smartphone auf dem Flohmarkt in Berlin-Mitte und glänzt mit ihrer aufgebrezelten Patina. Sie ist, wo sie ist. Verschanzt hinter den sanften Hügeln unter den großen Wolken am Rande der Seele des Dorfes. Es gibt viele Gelegenheiten, in der das Leben selbst das beste Foto toppen wird. Ein zaghafter Versuch ist meine Eimerserie „Poesie des Scheiterns“ zusammen mit meinem mit heller Stimme gerufenen Versprechen: die KHB ist ein magischer Ort!

Fotoserien oben: „Poesie des Scheiterns – Eimer zum Auffangen des Regenwassers, das durch das undichte Dach gelangt“, © Stefie Steden 2010
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  1. soweit mir das als Kind meiner Zeit möglich ist []