Into the Wild: Die Kunst des Notierens 24.-26.6.2016

Spuren suchen, Zeichen lesen, Fährten folgen. In drei Tagen widmen sich 4-7 KünstlerInnen und solche, die es werden wollen, ganz dem Schreiben, Zeichnen, Fotografieren, Collagieren, Sampeln, Spazieren, Fragen, Erzählen u.s.w. Wir legen Grundsteine für ästhetische Routinen, die uns später im Alltag begleiten können und entdecken drei Tage lang, wovon wir noch lange profitieren werden. Wir erproben analoge Techniken des experimentellen Recherchieren und Notierens und erhalten Tipps für spätere digitale Koexistenzen. Im selbst gebundenen Notizbuch werden in drei Tagen Fragmente der individuellen Forschungen sichtbar und als Grundsteine langfristiger ästhetischer Routinen verfügbar, die uns später im Alltag begleiten können.
Wir lernen uns bei einem Kurz-Workshop in Berlin kennen1, in dem jeder seine Notizbücher binden lernt. In der Kunsthalle Below und Umgebung folgt ein freier künstlerischer Arbeitsaufenthalt mit ein bisschen Struktur2. An drei Tagen treffen wir uns zu kleineren Beratungs- und Feedback-Terminen und nutzen ansonsten den Fundus der KHB, die Magie des Ortes, des Moments und der Kunst des Notierens.

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  1. Wer in Berlin nicht teilnehmen kann, kann natürlich trotzdem in Below dabei sein
  2. Täglich 2 Gruppentreffen bzw. individuelle Coachings und Feedback und ansonsten viel zeitlicher/räumlicher Spielraum mit frischen Momenten im See.

fahren!

Eine eingeschränkte Mobilität auf zwei Beinen ist wieder hergestellt. Und zeitgleich erreicht uns die gute Nachricht, dass der Fonds Soziokultur unser neues Projekt fördern wird: „fahren“. Ein Blick in den Antragstext vermittelt einen Eindruck, von dem worum es gehen wird: Das Autofahren bestimmt das Leben der Menschen auf dem Land. Zum zielorientierten Radfahren unbrauchbare Landstraßen und der quasi nicht vorhandene öffentliche Nahverkehr werfen diejenigen, die kein Auto haben oder fahren können, in eine erdrückende Abhängigkeit und diejenigen, die sich für sie verantwortlich fühlen, fesseln sie unendliche Stunden hinterm Steuer. Gemeinsam verbringt man unzählige Stunden im Auto, das infolgedessen viel mehr ist als ein Mobilitätsgarant. Es ist ein wesentlicher Kulturraum. Um dieses Phänomen künstlerisch aufzugreifen, kritisch zu beleuchten und letztendlich nachhaltig zu unterstützen werden wir auf unsere Weise im Autokulturraum aktiv. Die samstäglichen „Treffpunkte“ in der Kunsthalle Below werden umgeformt in Werkstatttreffen und von dort aus fahren wir fort. Kommen Sie vorbei und gestalten Sie mit, wo unsere Reise hin geht…

Der nächste Treffpunkt KHB: 6.2.2016, 17 Uhr

lang und grau

Der Winter ist lang und grau. Besonders, wenn eine Verletzung das Gehen behindert und alles länger dauert, als die Geduld zu ermöglichen scheint. Trotzdem haben auch bei uns Sylvester die Korken geknallt, wir haben uns Dinge gewünscht und vorgenommen und können weiterhin darauf hoffen, dass bald wieder Sommer ist. Was wir dazu beitragen? Erstmal Musik!

Der nächste Musik-Treffpunkt KHB: 23.1.2016, 13 Uhr

Brot – ein Ausblick

Vor wenigen Monaten stand ich in der sommerlich-warmen Idylle und es grauste mich vor der Kralle des Winters, die unweigerlich kommen und mir bei klirrender Kälte meine große Tochter entreißen würde.  Seit dem Sommer beschäftigt mich der Gedanke eines Ofens für die KHB und die damit verbundene Weigerung, die Halle dem Kältemonster zu übergeben.
Nun gut, ich habe den Wettlauf mit dem Monster erst einmal gewonnen. Die Wiederbelebung des Schlots ist dank Olafs und Marinas Hilfe in den Herbstferien gelungen. Das Anschließen der Ofenrohre und das Abtrennen eines Wärmeraumes waren – gemessen an den Bauarbeiten auf dem Dach – ein Spaziergang. Den herbeigesehnten Moment des Entzündens und Testens erlebten wir andächtig gemeinsam am Kamin mit Kerzenschein und Schokolade. Wir bringen eine Temperatur zustande, die uns mit gutem Willen und dickem Pullover den Platz halten lässt.
Der für mich größte Moment ereignete sich in der Woche darauf: befeuert durch unsere Musik sollte im weiteren Verlauf des Abends der Ofen das Brot backen, das wir gemeinsam zur Suppe reichen würden. Ein Sommergast der KHB, hatte mir das Geheimnis verraten, das mir das zeitgemäße Backen des täglichen Brotes in meinem dicht gepackten Alltag ermöglichen sollte: Teig ohne Kneten.1 Mit Beginn der Heizperiode hatte ich in der häuslichen Küchenhexe erste gute und leckere Erfahrungen damit gesammelt. Seitdem sauge ich Berichte und Erörterungen zur reichen mythologischen Relevanz der großen Alltagssubstanz in mich auf, um erwartungsvoll zur Halle zu sehnen und dort endlich die Früchte unserer Arbeit gemeinsam mit Gästen essen zu können. Es kam, wie es kommen musste. An dem Tag ging der Teig in die Hose, meine Rettungsbemühungen im Abseits zogen sich hin und als ich zurück zur Halle kam, im Begriff, die für mich heilige Handlung des Backens zu vollziehen, stand der Backofen offen, um seine Wärme an den Raum abzugeben. Das Ritual war jäh unterbrochen, ich wütend und der Ofen trotzdem viel zu heiß. Das Brot verbrannte von unten ehe es von oben richtig durch war.  Wir ließen es uns trotzdem schmecken.
Ich brenne auf die nächsten Erfahrungen mit dem launischen Gesellen, dessen raue Hitze ich eines Tages in eine fruchtbare Brutstätte köstlicher Laiber verwandeln werde. Leider noch nicht diesen Samstag, denn die familiären Verpflichtungen der Vorweihnachtszeit fordern ihren Tribut. Aber am 19.12.2015 wieder im Glanz der Musik ab 17 Uhr und zur Suppe dann ab 19 Uhr.
Kommt zahlreich, im Gepäck gern ein Scheit Holz für unser Backfeuer! Samstag, 19.12.2015, 17/19 Uhr

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  1. Es fällt mir inzwischen schwer daran zu glauben, dass diese Errungenschaft eine Erkenntnis moderner Zeiten sein soll. Einen Spott auf all die idiotischen Experten, die behaupten, Teig müsse geknetet werden bis einem die Arme abfallen. Wer mir Hinweise auf ältere Traditionen der Verwendung ungekneteten Teigs gibt, lebe hoch!